Göbekli Tepe (türkisch für ‚bauchiger Hügel‘, kurdisch Xirabreşk)
Ein frühneolithisches Bergheiligtum? Eine andere Sicht.
Göbekli Tepe wurde 1963 vom amerikanischen Archäologen Peter Benedict im Rahmen eines Survey-Projekts der Universitäten İstanbul und Ankara als steinzeitliche Fundstelle identifiziert. Er vermerkte auch, dass sich dort ein muslimischer Friedhof befand.
Die 1994 von Klaus Schmidt wieder entdeckten prähistorischen Anlagen werden kontrovers diskutiert. Vor allem die von Schmidt aufgestellte Hypothese, dass es sich um jungsteinzeitliche Bergheiligtümer handelt. Der Fundort Göbekli Tepe liegt im türkischen Teil Mesopotamiens, 15 Kilometer nordöstlich der südostanatolischen Stadt Şanlıurfa.
Die bis zu sechs Meter hohen, tonnenschweren T-förmigen Steinpfeiler, erste abstrakte Menschendarstellungen (einen angewinkelten Arm mit sich fast berührenden Händen), und die Reliefs mit einer Vielzahl wilder Tiere sind weltbekannt.
Diese außergewöhnlichen Funde bieten seit Beginn der Arbeiten Anlass zur Diskussion und Reinterpretation des beginnenden Neolithikums.
Göbekli Tepe, eine Ausgrabungsstätte, die für ihre Zeit eine Sensation ist. Es handelt sich bei dem Fundort nicht nur um eine Anlage aus ein und demselben Zeitraum, sondern um mehrere Kreisanlagen unterschiedlichen Alters.
Beispiel:
- Kreisanlage D 11.600 Jahre alt
- Kreisanlage A 10.500 Jahre alt.
Eine der letzten Erdschall-Untersuchungen ergab, dass unter und neben der Ausgrabungsstätte noch weitere, viel ältere Anlagen existieren. Das archäologische Wunder geht also weiter…
Von der ältesten Hochkultur (die es laut konservativer Archäologen nie gab) oder von Jägern und Sammlern erbaut? Mit Fähigkeiten der äußersten Präzision im Steinschnitt und Steinschliff? Göbekli Tepe ist älter als die Erfindung des Rades. Ein Sternentempel oder ein Observatorium im Zeitraum von 1.100 Jahren erbaut? Die jüngeren Bauwerke B, C und D sind leicht verdreht angeordnet; nach einem bestimmten Sternenzyklus? Im Jahr 2003 wurden bei einer geophysischen Bodenanalyse mittels Bodenradar 20 (!!) weitere Bauwerke mit 200 weiteren Steinsäulen in unmittelbarer Nähe entdeckt. Die gesamte Anlage erstreckt sich über 9ha, größer als 12 Fußballfelder.
Eine zweite Anlage wurde einige Kilometer östlich entdeckt, Karahan Tepe. Eventuell ist diese Anlage weitaus älter als Göbekli Tepe. Wiederrum eine Anlage enormer Größe, erbaut von Jägern und Sammlern? In dem Gebiet um Sanliurfa wurden noch 10 weitere Anlagen mittels Bodenradar entdeckt.
Laut einer alten Überlieferung „der großen Flut“ aus Mesopotamien (in der Bibel: zur Zeit Noahs Bau der Arche), wurde den Menschen in dieser Gegend kurz nach dem Anlagenbau auch Ackerbau und Viehzucht von den sumerischen Gottheiten übermittelt, und zwar durch die sieben Weisen der Abgal.
Die Säule Nummer 43
Auf der Säule abgebildet ist ein Sternenbild dargestellt durch verschiedene Tierkreiszeichen, z.B. der Skorpion, darüber kommt in unseren Sternenbild der Schütze. Dieser wird hier durch einen Geier dargestellt. Die ausgebreiteten Flügel stehen im gleichen Winkel wie der Bogen des Schützen in unserem Sternkreiszeichen. In der Mitte der Symbole befindet sich ein kleiner Kreis, die Sonne? Am oberen Ende könnten drei Sonnenuntergänge und drei Tierkreiszeichen abgebildet sein, was auf ein Datum hinweisen könnte. Dieses Datum könnte, laut einigen Astronomen, zwischen 10.900 und 10.800 vor Christus liegen und somit etwa 1.000 Jahre vor dem Bau der Anlage. Und zwar exakt in der jüngeren Dryaszeit, einem kurzen aber heftigem Klimaphänomen.
Dr. Martin Sweatman von der School of Engineering der Universität Edinburgh, der die Forschungsarbeiten leitete, sagte:
„Es scheint, dass die Bewohner von Göbekli Tepe scharfe Beobachter des Himmels waren, was zu erwarten ist, wenn man bedenkt, dass ihre Welt durch einen Kometeneinschlag verwüstet wurde. Dieses Ereignis könnte der Auslöser für die Zivilisation gewesen sein, indem es eine neue Religion hervorbrachte und die Entwicklung der Landwirtschaft anregte, um mit dem kalten Klima zurechtzukommen. Ihre Versuche, das Gesehene festzuhalten, könnten die ersten Schritte zur Entwicklung der Schrift Jahrtausende später gewesen sein“.
Originalpublikation:
Sweatman, M. B. (2024). Representations of calendars and time at Göbekli Tepe and Karahan Tepe support an astronomical interpretation of their symbolism. Time and Mind, 1–57. https://doi.org/10.1080/1751696X.2024.2373876
Weitere Interpretationen von Pfeiler 43
Jungsteinzeitliche Vogeljagd
Für Jäger-Sammler-Gemeinschaften aus Obermesopotamien, heutige Türkei, waren Vögel zu Beginn der Jungsteinzeit, ca. 9.000 Jahre v. Chr., eine wichtige Nahrungsquelle.
Erste Religionen
Die Reliefs können auf den Beginn der ersten Religionen hindeuten, so Klaus Schmidt (Entdecker der Anlage).
Ein weitere Interpretation aus astronomischer Sicht:
Ähnlich wie bei anderen weltbekannten Megalithanlagen wie Stonehenge in England oder den Megalithtempelanlagen auf Malta, wird auch für Göbekli Tepe die Hypothese vertreten, dass die monumentalen Strukturen der Anlagen möglicherweise astronomische Zwecke erfüllten. Die großen T Steine in jeder Kreisanlage sind in ost-westlicher Richtung aufgestellt. Die kleineren Steine am Rand immer etwas versetzt zur älteren Ringanlage. Im Jahr 2017 entwickelten die Forscher Sweatman und Tsikritsis eine Theorie zur astronomischen Deutung der Anlage D. Der größten Ringanlage von Göbekli Tepe. Sie vermuteten, dass der als „Geierstein“ bezeichnete Pfeiler 43 möglicherweise eine Verbindung zu dem Meteoriteneinschlag herstellen könnte, der das Ende der Jüngeren Dryaszeit markierte. Ihr Ansatz zur Deutung basierte auf der klar erkennbaren Darstellung eines Skorpions auf diesem Pfeiler, den sie mit dem gleichnamigen Tierkreiszeichen in Verbindung brachten. Ihrer Interpretation zufolge könnten die Darstellungen auf dem Pfeiler, einschließlich des Skorpions und des Schlangenträgers, auf die Tierkreiszeichen hinweisen. Die konkrete Anordnung dieser Symbole, relativ zu einem als Sonne interpretierten Kreis oder Scheibe, könnte auf ein Datum um die Sommersonnenwende des Jahres 10.950 v. Chr. (±250 Jahre) hindeuten.
Auf dieser Grundlage entwickelte Martin B. Sweatman die These, dass die parallel verlaufenden Reihen von v-förmigen Zeichen oberhalb der Vogeldarstellung auf Pfeiler 43 die 29 beziehungsweise 30 Tage eines Lunationszyklus darstellen könnten. Da diese Zeichen zwölfmal gezählt werden müssten, würde dies eine Gesamtlänge von 354 Tagen ergeben, was einem Mondkalender entsprechen würde. Fünf doppelte V-Zeichen könnten zusätzliche Tage symbolisieren, was einem solaren Kalender mit 364 Tagen entsprechen würde – dem ältesten bekannten Solarkalender.
Die beiden Forscher deuteten weiter, dass die Darstellungen von Fuchs und Wildschwein möglicherweise die nördlichen und südlichen Tauriden-Meteorschauer symbolisierten.
Diese Theorie ist jedoch nicht ganz unumstritten. Kritiker argumentieren, dass die Beobachtung eines einzelnen markanten Himmelsereignisses noch nicht ausreiche, um auf eine ausgeklügelte astronomische Praxis zu schließen. Selbst wenn die Bauherren von Göbekli Tepe den Zusammenhang zwischen dem Himmelsereignis und der darauffolgenden Naturkatastrophe erkannt hätten und dieses Wissen symbolisch festhielten, bleibt die Frage, ob dies tatsächlich auf eine systematische Astronomie hinweist. So bleibt die Theorie in vielerlei Hinsicht umstritten und wird weiterhin intensiv diskutiert. Was in der modernen Archäologie zum Standard gehört. Es gibt nie ein Richtig und Falsch, nur verschiedene Ansätze die zu erklärbaren Lösungen führen.
Dryaszeit laut Wikipedia:
Die Jüngere Dryaszeit… war in der Erdgeschichte ein ca. 1000 Jahre andauernder scharfer Kälterückfall (Stadial) nach erstmaliger Erwärmung (dem Bölling-Alleröd) am Ende der Weichsel-Kaltzeit. Verschiedene Klimaanzeiger ergeben für die Jüngere Dryaszeit etwa einen Zeitraum von ca. 10.700–9.700 v. Chr. Sie kann mit dem antarktischen Kälterückfall parallelisiert werden.
Auf die Jüngere Dryaszeit folgte das Präboreal des Holozäns. Die Jüngere Dryas ist somit der letzte Zeitabschnitt der letzten Kaltzeit.
Bild: Wikipedia
Göbekli Tepe
Ein Kultplatz oder ein Denkmal der Erdgeschichte, mit dem Hinweis auf das letzte, schwere Klimaereignis der jüngeren Dryaszeit?
Die Archäologen gehen davon aus, dass alle Anlagen vor ca. 10.000 Jahren innerhalb kürzester Zeit einfach zugeschüttet wurden. So entstand durch die Zusammenarbeit von hunderten von Menschen ein künstlicher Berg über den Anlagen. Durch diese Maßnahme wurde Göbekli Tepe, Karahan Tepe und einige weitere Anlagen dieser Art über die Jahrtausende erhalten, Absicht oder Zufall?